Nächste Reise: Rumänien, Serbien, Montenegro, Albanien

Es ist mal wieder Zeit für eine Balkan-Reise.

Zum ersten Mal veröffentliche ich einen vorläufigen Reiseplan bevor ich mich auf den Weg mache. Vielleicht bekomme ich so ein paar Hinweise von Einheimischen oder anderen Reisenden, erfahre von interessanten Geschichten/Orten/Menschen, über die ich schreiben könnte, finde jemanden für eine gemeinsame Wanderung in den Bergen oder vielleicht sogar einen Platz zum Übernachten. Hier ist mein Couchsurfing-Profil mit einer Menge Bewertungen, so dass Ihr wisst, worauf Ihr Euch einlässt.

23. Oktober 2014 - Timișoara, Rumänien

Das wird mein erster Besuch in Timișoara (deutscher Name: Temeswar) sein, von dem mir viele Rumänen als der schönsten Stadt ihres Landes vorgeschwärmt haben. Ich habe leider nur einen Tag, weil es am nächsten Morgen mit dem Zug nach Serbien weitergeht.

Timisoara

24. Oktober 2014 – Belgrad, Serbien

Bei meinem ersten Besuch in Belgrad im Februar 2009 war die Stadt von Schnee und Eis bedeckt, und es war so kalt, dass ich nicht viel Zeit draussen verbringen konnte. Leider habe ich auch hier nur einen Tag, weil ich am nächsten Morgen nach Montenegro fliege. (2009 wohnte ich im Hotel Moskva, dem prächtigen Gebäude auf der Postkarte, aber die Preise scheinen sich seither unerschwinglich erhöht zu haben. Oder ich war damals noch reich.)

belgrade old postcard

25.-27. Oktober 2014 – Podgorica, Montenegro

Am Sonntag, den 26. Oktober 2014, werde ich am Halbmarathon von Danilovgrad nach Podgorica teilnehmen. Auch den Tag davor und danach bleibe ich in Podgorica, wobei ich den Tag nach dem 21-km-Lauf vielleicht im Bett oder der Badewanne verbringe, anstatt viel von der Stadt zu sehen. Nach solch einer physischen Anstrengung kann ich normalerweise zwei Tage lang nur humpeln.

Podgorica

ab dem 28. Oktober – Montenegro

Und dann werde ich Montenegro erkunden. Diesen Teil der Reise habe ich noch nicht im Detail geplant. Ich werde kein Auto haben, so dass ich auf Busse, Züge und die Hilfsbereitschaft Anderer angewiesen bin.

Auf jeden Fall will ich Cetinje besuchen. Diese kleineren Städte sind mir sympathisch, vor allem wenn sie einst Hauptstadt waren. Oft ist noch viel von vergangener Größe zu sehen, und doch sind sie ruhiger und weniger überlaufen als die gegenwärtige Hauptstadt (auch wenn mir bekannt ist, dass der Sitz des Präsidenten wieder nach Cetinje verlegt wurde).

Mein größter Wunsch ist eine ganztägige Wanderung in der Mrtvica-Schlucht.

Mrtvica canyon

Aber ich weiß, es ist nicht leicht dort hin zu kommen, weshalb ich noch auf der Suche nach jemandem bin, der gerne mitkommen würde oder der mir für einen Tag ein Auto leihen/vermieten will. Gerne würde ich Kolašin zu meinem Ausgangspunkt in den Bergen machen.

Der Nationalpark Biogradska Gora ist natürlich auch verlockend, aber das bedürfte wieder eines Autos.

Dann würde ich noch gerne eine Wanderung über den Vrmac von Kotor nach Tivat machen. Die ca. 15 km sollten leicht zu schaffen sein.

Von Tivat fliege ich dann zurück nach Belgrad. (Ich habe noch nicht entschieden wann, und zu dieser Jahreszeit hoffe ich darauf, dass sich selbst bei meinem spontanen Auftauchen am Flughafen noch ein Sitzplatz findet.) Ursprünglich wollte ich mit der berühmten und fantastischen Eisenbahn von Bar nach Belgrad zurückkehren, um atemberaubende Landschaften zu genießen und unterwegs noch ein paar kleineren Städten in Serbien einen Besuch abzustatten. Aber dann las ich, dass die Überschwemmungen im Sommer 2014 zu einer Umleitung der Strecke in Serbien führten und dass derzeit nur ein Nachtzug fährt. – Ich bin noch bis Mai 2015 in Osteuropa und hoffe, dass ich nach der Reparatur der Strecke noch die Möglichkeit zur Fahrt auf dieser wunderbaren Strecke haben werde.

2 oder 3 Tage – Shkodra und Komani-See, Albanien

Diesen Sommer verbrachte ich eine wunderbare Woche in Albanien, aber ich hatte keine Zeit für den Norden des Landes. Deshalb will ich im Rahmen dieser Reise Shkodra besuchen und einen entspannenden Tag auf der Fähre auf dem Komani-See verbringen.

ferry Lake Komani

Ja, das wird eine lange Reise – und dann muss ich ja auch noch zurück von Belgrad nach Târgu Mureș (deutsch: Neumarkt am Mieresch), aber vielleicht ist das die letzte Chance auf eine lange Reise vor dem Winter.

(To the English version of this travel plan. – Während der Reise werde ich wohl nur die englischsprachige Seite aktualisieren, falls ich überhaupt Zeit dazu finde.)

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Was wollen die Vertriebenen(verbände) eigentlich?

Zugegeben, die Vertreibung der Deutschen aus der osteuropäischen Heimat nach dem Zweiten Weltkrieg, der Verlust von Hab und Gut, die Bedrohung und Verletzung von Leib und Leben waren Unrecht.

Dennoch fällt es mir schwer, die aus Osteuropa vertriebenen Deutschen gleichermaßen als Opfer anzuerkennen wie andere Gruppen, die im Zeitraum des Zweiten Weltkrieges und der Folgejahre zu Opfern staatlicher Verfolgung wurden. Und das liegt nicht nur daran, dass Menschen mit einem Verständnis (oder zumindest einem Interesse) für die Zusammenhänge der Geschichte an der Einbeziehung der Frage nach Ursache und Wirkung nicht vorbeikommen. Sondern es liegt ganz besonders auch daran, dass die Vertriebenen(verbände) noch immer aktiv Geschichtsrevisionismus betreiben und die Aktivitäten der Nazis zu relativieren versuchen.

Dabei habe ich vor dem Hintergrund des weiteren Verlaufs des 20. Jahrhunderts noch nie verstanden, weshalb die Vertriebenen so grundsätzlich gegen ihre Vertreibung klagen, womit ich wie gesagt das individuell erlittene Unheil nicht minimalisieren möchte: Ohne diese Vertreibung hätten sie 50 Jahre in kommunistischen Staaten wie Polen oder der Tschechoslowakei leben müssen, ohne politische Freiheit, in einem erbärmlichen, planwirtschaftlichen, deprimierenden System. “Dank” der Vertreibung konnten die Vertriebenen in Westdeutschland am Wirtschaftswunder teilnehmen und politische wie persönliche Freiheiten genießen.

Ob irgendeiner der Vertriebenenfunktionäre im Nachhinein betrachtet wirklich lieber in der Tschechoslowakei oder in Polen geblieben wäre? Wohl kaum.

“Mami, Papi, wieso verlassen wir das kommunistische Paradies?”

(Dieser Artikel erschien auch im Freitag.)

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Leicht zu verwechseln (30) Gewährleistung

Gewährleistung:

Gewährleistung BGB

Gewehrleistung:

Gewehrleistung

Wortspiele für in der Rüstungsindustrie tätige Juristen bieten sich an.

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Power-Frühstück

Ein Frühstück erfüllt drei Funktionen:

  • Zeitung lesen
  • richtig wach werden
  • Energie für den Tag aufnehmen

Da ich in meiner Kleinstadt in Rumänien noch keine Süddeutsche Zeitung gefunden habe, konzentrieren wir uns heute auf die beiden letzteren Aspekte.

Zum Aufwachen trinkt der moderne Mensch natürlich eine Cola, am besten direkt aus dem Kühlschrank, gerne noch mit zusätzlichen Eiswürfeln. Ich habe gehört, dass manche Menschen Kaffee kochen, aber das ist mittelalterlich. Extrem umständlich und nur unter Zuhilfenahme von etlichen Geräten, Pulvern, Maschinen, Löffeln zuzubereiten. Bis die erste Tasse fertig ist, ist der halbe Tag schon vorbei. Außerdem kommt Kaffee aus Arabien, und Ihr wollt doch bitteschön nicht die ISIS-Terroristen unterstützen.

Für die Energie sorgt ein Müsli. Keine Cornflakes oder Fruit Loops oder so Kinderkram, sondern richtiges Müsli mit Haferflocken.

breakfast1Und dann kam mir, leider eine Woche zu spät für die diesjährigen Nobelpreise, die glorreiche Idee, beides miteinaner zu verbinden. Zugegeben, die Idee wurde notwendig, weil die Milch mal wieder vor ihrem angepriesenen Haltbarkeitsdatum schlapp gemacht hatte.

Man gebe also die Cola auf das Müsli, und fertig ist das Power-Frühstück.

breakfast2Was für ein Quell an Energie und Tatendrang!

Mmhhhhhh!

breakfast3(The World Health Organisation has translated this recommendation into English.)

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Die besten Ausreden für Flüchtlingsmisshandlungen

Alles was bei den Amerikanern passiert, schwappt nach 5 oder 10 Jahren nach Deutschland, sagte man, bevor das Internet den zeitlichen Abstand zwischen den Kontinenten verkürzte. Von Abu Ghraib bis Burbach hat es dann aber doch volle 10 Jahre gedauert.

Burbach FlüchtlingsunterkunftIn der dortigen Flüchtlingsunterkunft hat das Wachpersonal Flüchtlinge misshandelt, verprügelt, getreten, gefesselt und wer weiß was noch. Die Täter fanden das – wie einstmals im Irak – fotografierens- und filmenswert sowie, sonst wäre das Ganze nicht an die Öffentlichkeit gekommen, auch verbreitenswert. Die Feiern, bei denen so etwas stolz herumgezeigt wird, will man sich gar nicht vorstellen.

Fotos und Filme zeigen, dass Misshandlungen der Flüchtlinge von einem Großteil des Personals als zu ihrer Aufgabenbeschreibung gehörend empfunden wurde. Zudem tauchen jetzt weitere Fälle, auch in anderen Unterkünften, auf.

Die in Deutschland auch historisch beliebte Einzeltäterthese ist also nicht haltbar. Was macht man, wenn sich niemand dazu bereit findet, durch Exil oder Selbstmord alle Schuld auf sich zu nehmen? Man sucht nach Erklärungen, die sich bei näherer Betrachtung als Ausflüchte oder Ausreden herausstellen.

Die US-Soldaten in Abu Ghraib hatten noch richtige Ausreden für ihr Ausrasten: Krieg, 15 Monate Einsatz in der Wüste, Schusswechsel und Selbstmordattentäter sobald man den Stützpunkt verläßt. Damit kann das Wachpersonal in Nordrhein-Westfalen nicht mithalten, so anstrengend Einzelne die abendliche Heimfahrt auf der A 45 oder das schlechte Fernsehprogramm im Pausenraum auch empfinden mögen.

Reflexartig holt jede Interessensgruppe ihre Erklärungen aus der Schublade:

“Das sind die Auswüchse einer vollkommen fehlgeleiteten, schleichenden Privatisierung der inneren Sicherheit”, sagte Sebastian Fiedler, NRW-Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, und andere Vertreter der Interessen des öffentlichen Diensts stimmen zu. Dass Flüchtlinge und Asylbewerber im Polizeigewahrsam nicht immer höflich oder freundlich behandelt werden und dass sie diese Kontakte manchmal nicht überleben, verschweigt die Polizeigewerkschaft.

Mir leuchtet das Argument mit der Privatisierung nicht ein. Krankenhäuser sind privatisiert, die Post ist privatisiert, der Zugverkehr ist privatisiert, die Lufhansa wurde privatisiert, aber dennoch schlagen und treten Stewardessen, Briefträger und Ärzte niemanden. Nein, an der Privatisierung kann es nicht liegen.

Aus der Gewerkschaftsecke kommt der Hinweis auf niedrige Löhne des Wachpersonals. Das entbehrt ebenfalls jeglichen Zusammenhangs. Noch niemand wurde beim Einkaufen im Supermarkt, beim Friseurbesuch oder an der Imbissbude eingesperrt oder angekettet, obwohl dort Niedriglöhne gezahlt werden. Es gibt durchaus gute Gründe für Mindestlöhne, aber dass Menschen bis 8,50 Euro pro Stunde prügeln und ab 8,51 Euro plötzlich ganz nett zu Afghanen und Somalis sind, kann mir niemand weismachen.

In die gleiche Richtung geht der Erklärungsversuch, die Männer seien mangelhaft ausgebildet gewesen. Der Spruch eines Professors aus dem Jura-Studium kommt mir in den Sinn: “Menschenwürde kann man schwer definieren, aber man erkennt sie, sobald sie verletzt wird.” Wenn täglich der Großteil der Bevölkerung seine Arbeit verrichtet, ohne seinen Kunden oder den ihm anvertrauten Menschen mit dem Stiefel ins Gesicht zu treten, kann man davon ausgehen, dass es zu dieser Einsicht keiner Schulung oder Ausbildung bedarf. Spätestens mit Abschluss des Kindergartens gehört das zum Allgemeinwissen.

Die Kommunen weisen schließlich noch darauf hin, dass sie überlastet seien und mit der “Flut” an Flüchtlingen vom Bund und der EU allein gelassen werden. Also etwa so wie beim Ausbau von Kindergartenplätzen. Ich bin gespannt, ob Misshandlungen von Kleinkindern, so sie mal bekannt werden, konsequenterweise ebenso entschuldigt werden.

Aber woran liegt es dann? Ich kann zwei Gründe ausmachen:

Zum einen ist es immer gefährlich, Menschen in Uniformen zu stecken und ihnen Schlagstöcke, Pfefferspray und Handschellen zu geben. Unabhängig ob privat oder staatlich, Beamter oder Mindestlöhner, solche Konstellationen sind kein guter Nährboden für humanen Umgang miteinander.

Zum zweiten ist auffällig, dass das Wachpersonal anscheinend erst bei diesem Einsatz aggressiv wurde. Die Hemmschwelle gegenüber nicht Deutsch sprechenden oder dunkelhaarigen und -häutigen Personen war geringer. Das nennt man Rassismus, auch wenn das unangenehmer und komplexer ist als eine wiederaufgewärmte Privatisierungs- oder Mindestlohndebatte. Der Wachdienst in Burbach bezeichnete sich selbst als “SS-Trupp”. Hier schließt sich dann sogar der Kreis von der individuellen zur gesellschaftlichen Verantwortung, denn individueller Rassismus gedeiht besonders gut, wenn in der öffentlichen Debatte Flüchtlinge als Gefahr, als Überforderung, als Last bezeichnet werden, wenn Kommunen oder Stadtteile sich gegen Flüchtlingsheime wehren und wenn Menschen als “Problem” tituliert werden.

Nach dem Folterskandal in Abu Ghraib verhängte ein amerikanisches Militärgericht Haftstrafen gegen die beteiligten US-Soldaten von bis zu 10 Jahren. Das Ordnungsamt Nürnberg hat dem Wachmann, der dem Flüchtling den Stiefel in den Nacken drückt, nach Bekanntwerden der Fotos bescheinigt, dass er zuverlässig sei und weiterhin in diesem Job arbeiten dürfe. Das Ordnungsamt ist übrigens weder privatisiert, noch werden dort Billiglöhner eingesetzt.

(Dieser Text erschien auch beim Freitag und auf CARTA.)

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Friedensnobelpreis 2014 für Liu Xiaobo

Mein Vorschlag für den Friedensnobelpreis 2014: Liu Xiaobo, der chinesische Autor und Menschenrechtsaktivist.

Ja, ich weiß dass Liu Xiaobo schon 2010 den Friedensnobelpreis gewonnen hat, und es wäre das erste Mal, dass eine Person den gleichen Preis zweimal gewinnt. (Fußballmannschaften hingegen können problemlos zweimal hintereinander Meister werden.) Aber hier geht es um eine besondere Situation, die nach einer besonderen Lösung ruft: Der Friedensnobelpreisträger von 2010 sitzt in China noch immer in Haft. Falls Nobelpreise über ein paar Zeitungsartikel in der Woche nach ihrer Bekanntgabe hinaus irgendetwas erreichen sollen, kann das Nobelpreiskomitee seine Entschlossenheit zeigen und den Preis weiterhin dem letzten Preisträger verleihen, der noch immer in Haft sitzt, und damit Druck auf China ausüben. Das kann man Jahr für Jahr wiederholen – bis China Liu Xiaobo freilassen muss.

Die Ungeheuerlichkeit der Behandlung von Liu Xiaobo durch China wird noch deutlicher, wenn man einen historischen Vergleichsfall betrachtet: Selbst Nazi-Deutschland entließ 1936 den Preisträger Carl von Ossietzky aus dem Konzentrationslager (obwohl er natürlich weiterhin unter Gestapo-Bewachung stand).

(To the English version.)

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“Was willst Du denn dort?”

Es gibt zwei verschiedene Orte auf der Welt: Bei den einen zuckt niemand mit der Wimper wenn man hinzieht. Bei den anderen wird man mit der Frage “Wieso bist Du denn dahin gezogen?” konfrontiert.

Mit der Erfahrung, in acht verschiedenen Ländern gelebt und gearbeitet zu haben, habe ich schon beide Fälle erlebt.

london-crowdsDas Merkwürdige ist, daß niemand überrascht ist, wenn man in eine überfüllte, stinkende und laute Stadt zieht, wo man jeden Tag zwei Stunden unter der Erde verbringt und wo die Mieten so teuer sind, daß man sich nur ein Zimmer im Keller leisten kann. Denn jeder hält es für normal, daß Menschen nach New York oder London ziehen.

Aber wenn man an einen ruhigen und friedlichen Ort zieht, von dem aus man die Berge oder den Wald von zuhause aus zu Fuß erreichen kann und wo die Mieten so günstig sind, daß man sich ohne viel Arbeit ein ganzes Haus leisten kann, dann wird man ungläubig gefragt “Wieso bist Du gerade dahin gezogen?”

Nicht zufällig schreibe ich dies eine Woche nach meinem Umzug nach Târgu Mureș (Neumarkt am Mieresch), obwohl ich diesmal einen guten Grund für meinen Umzug nach Rumänien hatte. Oft spiegelt die Frage nur den Mangel an Kenntnis des Fragenden wieder. Manche Leute kennen keine drei Länder außerhalb ihres eigenen, und der Rest der Welt ist ihnen so fern wie die Weiten der Galaxie. Sie können mit keiner Stadt außer Berlin, München und Frankfurt etwas anfangen.

Vögel ziehen zweimal im Jahr um. Wieso machen wir es nicht genauso?

Vögel ziehen zweimal im Jahr um. Wieso machen wir es nicht genauso?

Besonders merkwürdig fand ich es immer, wenn mir Einheimische diese Frage so stellen, wie wenn sie denken, ihre eigene Stadt sei der letzte Fleck auf Erden, an den man ziehen solle. Wenn es Euch da nicht gefällt, wieso zieht Ihr nicht weg? Wir sind Menschen, keine Bäume. Wir können aufstehen und weggehen.

Nach mittlerweile 20 Umzügen fange ich an, die Frage, wo man lebt, für überbewertet zu halten. Ein Ort kann super-spannend sein, aber wenn man die ganze Zeit arbeiten muß, hat man nicht viel davon. Ein anderer Ort bietet auf den ersten Blick weniger, aber dafür hat man dort die Zeit, um das Leben zu genießen und das Land zu erkunden oder – wie ich es mir für den kommenden osteuropäischen Winter vorgenommen habe – sich eine Tasse heißer Schokolade zuzubereiten und endlich mal wieder zum Schreiben zu kommen.

Unterschiedliche Orte eignen sich für unterschiedliche Zeiten im Leben. Denn Du bist nicht der gleiche Mensch wie vor zwei oder drei Jahren. Hoffentlich.

(To the English version.)

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