Nächste Reise: Israel und Jordanien

Vom 8. bis 22. März 2015 bin ich in Israel und Jordanien.

“… bin ich mal wieder in Israel”, sollte ich sagen, denn das wird so etwa das fünfzehnte oder zwanzigste Mal sein, dass ich Israel besuche. Die letzte Reise liegt jetzt aber schon wieder sechs Jahre zurück.

Warum so oft in das gleiche Land? Weil Israel nicht nur schön, sondern vor allem interessant, vielseitig und facettenreich ist, weil ich jedes Mal etwas Neues erfahre und lerne. Und weil Diskussionen um Krieg und Frieden, um die Zukunft und Identität einer Nation interessanter sind als langjährige Diskussionen über Dosenpfand oder Autobahnmaut.

Auf dieser Reise steht nur ein Termin fest: Am 13. März 2015 werde ich in Jerusalem den Halbmarathon laufen. Kein leichtes Unterfangen in dieser hügligen Stadt, aber hoffentlich eine ganz besondere Erfahrung.

Jerusalem dome of the rocks

Ansonsten habe ich noch gar nichts fest geplant. Das ist das Schöne daran, mal wieder in ein Land zu fahren, in dem ich schon so oft war und so vieles gesehen habe. Ich bin nicht unter Druck, bestimmte Orte und Ziele abzuhaken, ich muss nicht möglichst weit herumkommen, sondern ich kann mir Zeit lassen, um alte Bekannte zu treffen, neue Leute kennenzulernen, zu wandern, zu beobachten und zu schreiben.

Ein paar Tage werde ich hoffentlich in Jordanien verbringen. Dort war ich bisher nur einmal, und das nur einen Tag. Damals verfuhr ich mich in der Wüste, bevor ich die Ruinenstadt Petra dann doch noch fand.

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Mal sehen, wo es mich diesmal genau hintreiben wird. Auf jeden Fall freue ich mich auf den Nahen Osten und auf solche Ausblicke an lauen Abenden in Jerusalem:

Jerusalem city wallsFalls jemand in Israel oder Jordanien lebt: Hier ist mein Couchsurfing-Profil mit einer Menge an Bewertungen, so dass Ihr Euch sicher sein könnt, dass ich ein angenehmer und unkomplizierter Gast bin.

(This announcement is also available in English.)

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Im Dschungel

BambusNa gut, nicht ganz im Dschungel, sondern im beeindruckenden Botanischen Garten von Palermo auf Sizilien.

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Es begann mit dichtem Nebel. (Teil 2)

(Hier findet Ihr Teil 1.)

Der Name des Picknickplatzes – Musolino – erinnerte mich zu sehr an den einstigen Diktator Italiens, aber gerade hatten wir die Nebelzone verlassen, und nach dem Reinfall auf dem Gipfel des Dinnammare waren wir froh um jede Möglichkeit, uns im Wald die Beine zu vertreten.

Wir stellten das Auto ab und schlugen den erstbesten Pfad ein. Ohne Ziel. Dichter Wald, Vögel, ein wolkenverhangener Tag, nicht gerade warm, umgefallene Bäume, ein bißchen Wildnis, und das nur ein paar Minuten von der Großstadt Messina entfernt. Ein Glück, dass der Berg so steil ist, sonst wäre er wahrscheinlich schon lange bebaut.

Aber dann sehe ich etwas durch das Gebüsch. Was ist das, mitten im Dickicht?

house in jungle

Ein Haus, allerdings verlassen. Es ist kein Weg zu dem Haus erkennbar, also muss es schon seit ein paar Jahren verlassen sein. Die Fenster und Türen stehen offen. Die Neugier packt mich, aber ich versuche gar nicht, meine Mutter und meine Schwester davon zu überzeugen, dass eine nähere Untersuchung des mysteriösen Heims eine gute Idee ist.

Zum Glück, wie sich bald herausstellen wird.

Nach 15 Minuten weiteren Fußmarsches finden wir nämlich noch mehr Relikte einer vergangenen Zivilisation. Diese sind nicht nur leichter zugänglich, ja sie liegen direkt am Wegesrand, sie sind auch wesentlich interessanter als ein simples Wohngebäude.

chapel1

Eine Kapelle. Nicht mehr viel übrig von der Innenausstattung. Nur mehr ein einfaches Holzkreuz und zwei Rahmen, die einstmals wertvolle Ikonen geschmückt hatten. Wie ein Signal an die Nachwelt stehen sie symmetrisch hinter dem Altar.

chapel2Wir werden neugierig. Was hier wohl mal war? Wieso es nicht mehr ist? Was wir noch finden werden? Es gibt keine Schilder, keine Tafeln, keine Hinweise, nichts. Auf der Landkarte ist nichts verzeichnet.

Dann taucht das hier auf.

burg1Nun muss ich niemanden mehr überreden. Wir sind alle Feuer und Flamme. Da müssen wir hin! Wir finden ein sehr großes, gar nicht mal sehr altes, mit Burgzinnen und klassischen Bögen verziertes Gebäude, das mir mit seinen Terrassen, seinen großen Fenstern und dem Teich wie ein einstiges Restaurant vorkommt.

Aber jetzt ist alles leer, kaputt und verlassen.

burg2

burg3 burg4Wenn Fenster und Türen so weit offen stehen, ist man fast gezwungen, die derart ausgesprochene Einladung anzunehmen. Sicherheitshalber hören wir uns um. Nichts. Keine Stimmen, keine anderen Laute, keine Kettensägen.

Also treten wir ein. Vorsichtig bewegen wir uns durch die langen Korridore und über die brüchigen Treppen nach oben, Stockwerk für Stockwerk.

burg inside 1 burg inside 2 burg inside 3

Bis auf ein paar Graffiti, die offensichtlich erst nachträglich angebracht wurden, finden wir keine schriftlichen oder anderen Hinweise auf die einstige Nutzung, auf das Baujahr und erst recht nicht auf die Geschichte hinter diesem Dorf, das hauptsächlich aus einer alten Kapelle und diesem prachtvollen Bau bestand.

burg inside 4Das Internet gibt mir allerdings die Hoffnung, dass sich jemand aus Messina meldet, der die Geschichte hinter diesen Gemäuern erzählen kann. – UPDATE – Und schon hat sich mein allwissender Vermieter aus Sizilien gemeldet und Folgendes erklärt:

Bei dem großen Gebäude handelt es sich um die Villa Rodriquez, die im ersten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts erbaut wurde. Sie gehörte der Rodriquez-Familie gehörte, einer der reichten Familien in Messina, Gründer einer Schiffswerft, die noch immer ihren Namen trrägt, und die das erste Tragflügelboot für die Verbindung von Sizilien nach Kalabrien bauten.

Das Anwesen besteht aus der Villa, der Kapelle, einem Haus für die Angestellten, einem Stall und einem Pool (oder einem künstlichen See), letzterer angeblich in der Form des Kiels eines Tragflügelboots, was man aber schwer überprüfen kann, weil er immer voller Blätter ist. So war es übrigens auch, als wir dort waren. Hier gibt es noch mehr Fotos.

Leopoldo Rodriquez wollte eine Residenz in den Bergen beziehen, um dem Trubel von Messina zu entfliehen (wobei Alessio sich fragt, ob Messina zu Beginn des 20. Jahrhunderts tatsächlich so geschäftig war).

Für die, die Ruinen selbst besuchen möchten, hier die genau Position auf der Landkarte.

(To the English version.)

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Zwei Valentinstage in Rumänien

Das orthodoxe Christentum ist perfekt für Leute, die immer zu spät dran sind mit dem Geschenkekauf. Alles findet nämlich später statt. Weihnachten ist am 7. Januar, Ostern ist auch später (aber jedes Jahr mit einem anderem zeitlichen Abstand). Wer gerne feiert und trinkt, kann dieses Schisma auch dafür nutzen, zweimal zu feiern. Ich selbst habe nichts davon, weil ich sowohl im Westen als auch im Osten Atheist bin.

In Rumänien habe ich gemerkt, dass sich diese Zeitverschiebung auch auf den Valentinstag erstreckt. Gefeiert wird nicht am 14. sondern am 24. Februar. Es heißt auch nicht Valentinstag sondern Dragobete. Dieser ist in der rumänischen Mythologie der Sohn von Baba Dochia, der Hauptfigur in einer Frühlingssage.

dragobete_flowersWenn ich herumfrage, wie Dragobete gefeiert wird, erzählt jeder etwas anderes. Manche sagen, man solle an diesem Tag Schnee sammeln, ihn einschmelzen und das Wasser für Heilzwecke aufbewahren. Es liegt aber schon lange kein Schnee mehr. (Globale Erwärmung.) Stattdessen kann man anscheinend auch Blumen pflücken und sich ins Haar flechten oder gegenseitig schenken. Außerdem habe es etwas mit dem Frühlingsanfang zu tun. Ich finde es traurig, den Frühlingsanfang damit zu feiern, die Blümchen, die sich gerade erst durch den harten Boden gekämpft haben, gleich wieder auszureißen.

martisor-sellersNoch verwirrender wird es dann am 1. März, also heute. Jetzt wird nämlich noch einmal Frühlingsanfang und Valentinstag gefeiert, nur heißt der jetzt Mărțișor, auf Deutsch Märzchen. Plötzlich stehen überall in den Parks, vor den Kirchen und an den Bushaltestellen Hunderte von Ständen, an denen Hunderttausende von Anhängern mit einer rot-weißen Kordel feilgeboten werden. Eine Schätzung meinerseits ergab, dass in Târgu-Mureș (Einwohnerzahl ca. 140.000) mindestens 300.000 von diesen Märzchen verkauft werden.

Daraus schließe ich erstens, dass es Pflicht ist, in den kommenden Wochen dieses Abzeichen an der Jacke zu tragen, und zweitens dass sie für den Fall einer Währungsreform als Ersatzwährung gehortet werden.

Das sympathische und progressive an diesem zweiten Valentinstag ist, dass diesmal die Frauen die Männer beschenken.

Bis zum nächsten Feiertag!

Martisor rope(To the English version of this article.)

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Es begann mit dichtem Nebel. (Teil 1)

Auf 1130 Metern thront der Berg Dinnammare über der Hafenstadt Messina und bietet einen famosen Ausblick über die Meerenge von Skylla und Charybdis, nach Kalabrien, über die Berge Siziliens und gleichzeitig auf das Ionische und das Tyrrhenische Meer. Wer gerade erst vom italienischen Festland übergesetzt ist, kann sich hier nach etwa halbstündiger serpentinenreicher Fahrt durch verschiedene Vegetationszonen einen ersten Überblick von der Vielfalt der größten Insel des Mittelmeers verschaffen.

Solche Blicke hat man von hier:

Meerenge

Blick von Dinnammare

Dinnammare Bäume

Etna from DinnamareAls ich das erste Mal auf dem Dinnammare war, sah ich übrigens Radfahrer, die gerade die gesamten 1130 Höhenmeter überwunden hatten. Sie waren nicht einmal besonders erschöpft.

Auf dem Gipfel befindet sich eine kleine Wallfahrtskirche.

Dinnamare church-001

Als mich meine Mutter und meine Schwester in Sizilien besuchten, wollte ich sie natürlich an diesen fantastischen Ort bringen. Da die beiden meinen Fahrkünsten nicht vertrauten, war es meine Schwester, die den Fiat die Serpentinen hochjagte. Es war frühmorgens, die Bergspitzen lagen noch im Nebel, aber wir dachten uns, dass sich das schon verziehen würde. Stattdessen wurde der Nebel immer dichter, grauer, feuchter, kälter und dunkler.

Die Wallfahrtskirche sah an jenem Tag im März so aus:

Dinnammare fog

Das war natürlich enttäuschend. Die angestrebte Wanderung fiel nicht ins sprichwörtliche Wasser, sondern wurde vom Nebel verschluckt. Wir hingen noch nasskalte 15 Minuten herum, in der Hoffnung, dass sich der Nebel lichten würde. Tat er aber nicht.

Also kehrten wir um und fuhren mangels Sicht im Schritttempo den Berg hinab. Unterhalb der Nebelzone hielten wir an, um unsere ausgefallene Wanderung an anderer, unbekannter Stelle nachzuholen.

Mitten im Wald entdeckten wir etwas, was wir nicht zu entdecken gehofft hatten, weil wir gar nicht wussten, dass es existiert. Aus der Enttäuschung wurde eine Überraschung.

(Hier findet Ihr Teil 2.To the English version of this story.)

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Diese Schiffe werden immer grösser.

An der in Messina parallel zum Hafen verlaufenden Via Giuseppe Garibaldi könnte man auf den ersten Blick glauben, dass sich hinter den Häusern, an denen man vorbeifährt, eine weitere mehrstöckige Gebäudereihe emporhebt. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass es sich bei diesen enormen Konstruktionen, die doppelt so hoch wie die Gebäude sind, um Kreuzfahrtschiffe handelt.

cruise ship between houses Messina

Dieses Schiff fährt gerade in den Hafen ein und überragt dabei alle Gebäude in der Umgebung.

cruise ship harbour Messina

Wenn man weiß, dass der Turm der Kathedrale etwa 60 Meter hoch ist, bekommt man eine Ahnung von den Ausmaßen des Bootes. Es ist riesig.

cruise ship cathedral Messina

Diese Schiffe sind nicht nur enorm, sie beherbergen auch Tausende von Passagiere, die sie auf jedem ihrer Stopps im Mittelmeer für Tagesausflüge entlassen. An jenem Tag in Messina traf ich zwei dieser Passagiere, ein freundliches Paar aus Kanada, das mir von ihrer Kreuzfahrt durchs Mittelmeer erzählte und diese Idee ganz schmackhaft darstellte, insbesondere als ich hörte, dass es viel weniger kostet als ich immer gedacht hatte. Außerdem geht mir seither der Gedanke an die Wasserrutsche an Deck nicht mehr aus dem Kopf.

(Fotografiert in Messina, Sizilien, Italien.)

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Medininkai

Die meisten Besucher kommen wohl nur in das kleine Dorf Medininkai, um die beiden höchsten Berge Litauens zu besteigen. Auch ich verweilte nach meiner Bergtour nicht mehr lange, schaute aber noch bei der Holzkirche und der Burg vorbei.

wooden church 1 wooden church 2 wooden church 3Die Kirche war ge- und verschlossen. Den Bekanntmachungen neben dem Eingang konnte ich entnehmen, dass die Gemeinde überwiegend polnischsprachig ist.

Die Burg war ebenfalls geschlossen, was in diesem Fall aber bedeutete, dass das Tor offen aber niemand zum Ticketverkauf oder für Erklärungen zur Verfügung stand.

castle gate

castle insideDiese quadratisch angelegte Burg wurde im 13. oder 14. Jahrhundert erbaut und diente dem Schutz vor den Rittern des Deutschen Ordens. Diese Nachfolger der Kreuzritter führten einen mehr als 100 Jahre dauernden Krieg gegen Litauen, das letzte nicht christianisierte Land in Europa. In Wirklichkeit ging es natürlich nicht um Religion, sondern um Territorium.

Zuletzt erhielt Medininkai am 31. Juli 1991 traurige Bekanntheit, als sowjetische Truppen den litauischen Grenzposten überfielen und sieben litauische Polizisten erschossen. Kein Wunder, dass Litauen in die NATO strebte.

(To the English version of this article.)

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