Idole

Einer ist Michael der Tapfere, einstmals Fürst der Wallachei, Siebenbürgens und Moldawiens und der erste rumänische Herrscher, der diese drei Fürstentümer unter einer Herrschaft vereinte, wenn auch nur für etwa ein halbes Jahr. Der andere hat mal Fußball gespielt.

Der eine wurde ermordet. Der andere wird dafür bezahlt, dass sein Bild von Gebäuden hängt, so dass die Mieter ihre Fenster nicht mehr nutzen können.

Einen würde kaum jemand erkennen. Den anderen habt Ihr sofort erkannt.Mihai ViteazulWenn Ihr berühmt werden wollt, geht auf keinen Fall in die Politik oder ins Militärhandwerk.

(Fotografiert in Klausenburg [Cluj-Napoca], Rumänien.)

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Deutsch-deutsche Willkommenskultur

Eines muss man den Deutschen zugute halten: Sie sind nicht nur fremdenfeindlich gegenüber Nichtdeutschen.

Es wäre interessant zu wissen, wieviele der DDR-Flüchtlinge tatsächlich einen Asylanspruch nachweisen hätten können. Zwar war die DDR eine Diktatur, doch bedarf es für die Gewährung von Asyl der individuellen politischen, religiösen oder ähnlichen Verfolgung. Bei den meisten unserer Brüder und Schwestern aus dem Osten handelte es sich wohl nicht um Regimegegner und Literaten im Untergrund (die waren vorher schon lange ausgewiesen oder freigekauft worden), sondern – oh Schande – um Wirtschaftsflüchtlinge.

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Solidarität

Syrer spendet

(Quelle: Auswärtiges Amt)

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Das Boot ist voll!

  • Jetzt reicht’s aber mal!
  • Wir können doch nicht die ganze Welt bei uns aufnehmen!
  • Das werden ja immer mehr!
  • Die bringen fremde Kulturen!
  • Die kommen hier einfach her, und schon bekommen sie ein Dach über den Kopf!
  • Womöglich auch noch mit Vollpension!

touristen

(Quelle: Der Spiegel 35/2015)

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Hotel Trianon

Ich wette, dieses Hotel in Amsterdam empfängt nicht sehr viele Gäste aus Ungarn.

Trianon Hotel

Zugegeben, diese Anspielung ist schwer zu verstehen für Nichtungarn und Nichthistoriker. Wer zu viel Zeit hat, kann mal über den Vertrag von Trianon lesen. Dieses Regelwerk ist das ungarische Äquivalent zum Versailler Vertrag, nur dass eine überraschend große Zahl von Ungarn auch 95 Jahre später noch erbost darüber ist, während sich der Rest der Welt in der Zwischenzeit weiterentwickelt hat und nach vorne schaut.

(In English.)

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“Asylkritiker”

So, so, “Asylkritiker” nennt man jetzt also den brandschatzenden, mordenden, grölenden und besoffenen Mob aus Ausländerfeinden, Rassisten und Neonazis. Da hat jemand gut aufgepaßt im Propagandaunterricht: Harmlose Dinge müssen furchterregende Namen bekommen (“Asylantenflut”, “Untergang des Abendlandes”), und die bösen Dinge müssen harmlose Namen bekommen (“Identität”, “europäische Wertegemeinschaft” und “Asylkritiker”).

Ein Kritiker ist jemand, der – wie ich – stundenlang in Cafés herumsitzt, Zigarren raucht und Sachertorte isst, während er mit anderen Intellektuellen streitet, wobei die ganze Runde vergisst, dass sie am Ende des Monats Miete zahlen müssen. Ein Kritiker ist jemand, der – ebenfalls wie ich – vor dem Frühstück, ungeduscht und noch im Schlafanzug feurige Zeilen in seinen Blog tippt. Wer Häuser anzündet, Menschen anpöbelt, bedroht und – sobald die Polizei wieder abgezogen ist – verprügelt, ist ein Krimineller, kein Kritiker. Und wer bei der Zuwanderung von Amerikanern, Norwegern und Iren nicht auf die Straße geht, aber plötzlich durchdreht, weil Farbige und Muslime nach Schutz suchen, der ist ein Rassist.

Asylkritiker

Falls sich aber durchsetzen sollte, dass solche Leute “Asylkritiker” heißen, dann schlage ich die folgenden sprachlichen Änderungen vor. Wenn schon, denn schon.

Das hier waren dann konsequenterweise “Literaturkritiker”:

Berlin,_Opernplatz,_Bücherverbrennung

So gehen “Archäologiekritiker” vor:

isis-destroys-mosul-artifacts

Auch die “Architekturkritik” hat Tradition in Deutschland:

synagoge-eberswalde

Ach ja, “Systemkritiker” hatten wir vor einiger Zeit auch schon mal:

raf

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Brandstiftung mit Ansage

Die Vorfälle sind so häufig wie alltäglich geworden, dass Rundfunknachrichten nach der stündlichen Vermeldung der aktuellen Verkehrshindernisse und des DAX-Standes bald mit Sätzen wie diesem ausklingen werden: “Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte gab es heute in Weissach, Wachtberg, Niederstedem und in Neustadt an der Waldnaab. Die Polizei rät weiterhin, sich von Flüchtlingsunterkünften fern zu halten, da diese derzeit leicht entflammbar seien. In den Abendstunden werden weitere Anschläge erwartet.”

Brände

Ich habe dazu nur eine Frage:

Wenn man aus der Erfahrung der letzten Monate weiß, dass fast jedes Haus, das der Unterbringung von geflohenen Menschen gewidmet wird, Ziel eines Brandanschlages wird, kann man dann in einem der reichsten, bestorganisiertesten Länder der Welt nicht zumindest eine Polizeistreife vor jedes dieser Heime stellen?

Alternativ, falls Deutschland plötzlich nicht mehr genügend Polizisten oder notfalls private Sicherheitsdienste zur Verfügung hat, könnte man doch auch eine dieser Überwachungskameras vor jedem geplanten Flüchtlingsheim aufstellen. Davon haben wir schließlich Tausende im ganzen Land, die bisher nur langweilig leere Bahnhofsvorplätze filmen.

Wenn Tag für Tag Ziele der gleichen Art zum Objekt von Brandanschlägen werden und die Eigentümer dieser Häuser nichts für deren Schutz tun, dann drängt sich irgendwann die Frage auf, ob einige der Kommunen ganz froh um die nachtaktiven Ausländerfeinde sind. Es wäre nicht das erste Mal, dass Bürger Rechtsradikale sogar dafür bezahlen, ein Asylbewerberheim niederzubrennen.

(Dieser Artikel wurde auch im Freitag veröffentlicht.)

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